Als Klassenbeste in die Ausbildung

Junge Frau aus Somalia baut sich Zukunft im Werra-Meißner-Kreis auf.

Geboren und groß geworden in Mogadischu, Millionenmetropole und Hauptstadt Somalias, ist eine junge Frau mittlerweile im Werra-Meißner-Kreis heimisch geworden. „Ich bin froh, dass ich mein Heimatland verlassen konnte, um in Deutschland viele neue Dinge zu erlernen“, sagt Sumaya.

Und die 18-Jährige hat bereits sehr viel gelernt. Nach knapp zwei Jahren im neuen, für sie komplett fremden Land, fand sie im Burgenhof in Witzenhausen, einer Einrichtung der Jugendhilfe, ein Zuhause. Dort fühlte sie sich sicher, dort spürte sie Geborgenheit. Und dort begann ihr Weg, der bis zum heutigen Tag ihre eigene, persönliche Erfolgsgeschichte wurde. „Sumaya war von Anfang an sehr wissbegierig, sie lernte schnell und viel. Ihr Deutsch wurde besser und besser und heute spricht sie wie du und ich“, sagt Elisa Fricke, Mitarbeiterin des Burgenhofs.

Die Erzieherin und angehende Sozialpädagogin ist weiterhin an Sumayas Seite. Nicht mehr so oft wie im Burgenhof, denn Sumaya ist mittlerweile in das sogenannte „Trainingswohnen“, ein neues Angebot des Burgenhofs für junge Erwachsene umgezogen. In der Wohngemeinschaft in Bad Sooden-Allendorf leben aktuell drei Personen. „Unser Trainingswohnen ist der Übergang vom Leben in der Wohngruppe des Burgenhofs unter dem geschützten Dach der Jugendhilfe hin zum Alleinleben“, so Elisa Fricke.

Die jungen Erwachsenen wie Sumaya lernen mehr und mehr ihr eigenes Leben zu organisieren, selbstständiger zu werden. „Das beginnt mit Dingen wie Einkaufen, selbst kochen oder die Mülltonnen rechtzeitig hinauszustellen“, so Elisa Fricke. Sie oder eine Kollegin sind täglich stundenweise in der WG, um dort zu unterstützen, wo Hilfe benötigt wird. Oft gehe es um Antragsstellungen für das Jugendamt oder andere Behörden und Institutionen.

„Manche Dinge, die zu erledigen sind in einem selbstständigen Leben, klingen für uns Erwachsene banal. Die meisten jungen Erwachsenen haben aber das Glück, in geordneten Familienverhältnissen zu leben, wo Mama und Papa da sind und sich um vieles kümmern beziehungsweise immer unterstützen. Welcher 18-Jährige muss sich heutzutage beispielsweise selbst um sein Essen kümmern oder sogar kochen“, so Elisa Fricke.  

Genau diese Dinge werden für Sumaya im Trainingswohnen mehr und mehr Alltag. Angenehm zurückhaltend, mit leiser Stimme spricht die 18-Jährige. Sie wirkt ausgeglichen, sehr zufrieden. Stolz strahlen ihre Augen als sie von ihrem erfolgreichen Hauptschulabschluss erzählt. Klassenbeste! Und das ohne jemals einen Sprachkurs absolviert zu haben.

Für die 18-Jährige war der Schulabschluss aber nur ein Etappenziel. Seit September lernt sie Altenpflegehelferin bei der AWO. „Momentan nur Theorie, aber ich freue mich schon auf die Praxis, die Arbeit am und mit Menschen im Seniorenzentrum in der Eschweger Döhlestraße“, sagt Sumaya. Nach dieser einjährigen Ausbildung hat sie automatisch ihren Realschulabschluss. Dann geht ihr Lernen weiter. Ihr Ziel: Die generalistische Pflegeausbildung mit Abschluss Pflegefachkraft. „Mein Traumberuf ist Gesundheits- und Krankenpflegerin – das möchte ich lernen, das möchte ich werden“, so Sumaya.

Menschen, die Sumaya kennen, sind überzeugt, dass sie ihr Ziel erreichen wird. „Sie hat schon so viel durchgemacht und hinter sich gelassen. Manche würden daran zerbrechen, Sumaya hat das stark gemacht“, sagt Elisa Fricke.

So stark, dass sie mit ihrem früheren Leben in Mogadischu abgeschlossen hat. „Der Werra-Meißner-Kreis ist zu meinem Zuhause geworden, ich fühle mich angekommen“, sagt die junge Frau, die noch viel vorhat, aber schon so viel erreicht hat.

Bildunterschrift: Sumaya (li.) freut sich mit Elisa Fricke, Mitarbeiterin des Burgenhofs, über ihren erfolgreichen Schulabschluss als Klassenbeste. Foto: Privat