Jetzt geht es nur gemeinsam

Das Leben im Jugendheim Burgenhof während der Corona-Krise.

Es sind herausfordernde Zeiten für fast alle Menschen. Während die Meisten aber zuhause mit ihren Familien zusammen sind, genießen dieses Privileg manche Kinder und Jugendlichen nicht. Sie leben in einer Wohngruppe – aus den unterschiedlichsten Gründen.

„Bei uns hat die verordnete Kontaktbeschränkung eine ganz andere Bedeutung. Denn für die Jugendlichen bei uns im Burgenhof bedeutet dies, dass Fahrten nach Hause erst einmal nicht möglich sind“, sagt Burgenhof-Leiterin Sabrina Heine.

Die Jugendlichen sind zum großen Teil isoliert in und an ihrer Einrichtung. Eine alles andere als einfache Situation, denn die meisten Jugendlichen leiden eh schon aufgrund traumatischer Erlebnisse in ihrer Kindheit. Die Arbeit der Mitarbeiter des Burgenhofs in Werleshausen und Witzenhausen in Form von Betreuung und Unterstützung für die Jugendlichen ist daher nochmals fordernder.

„Wir bewältigen diese Ausnahmesituation bisher sehr gut. Unsere Jugendlichen sind top, ziehen toll mit“, so Heine.

In beiden Häusern arbeiten die Mitarbeiter momentan in Blöcken. Eine Woche komplett durch, mit Tag- und Nachtdiensten. „Nach der Woche bist du physisch und psychisch erst einmal platt, aber wir lieben unseren Job und verspüren große Dankbarkeit weiter arbeiten zu können - im Gegensatz zu vielen anderen Menschen, die diese Möglichkeit gerade nicht haben“, so Sabrina Heine.

Für die Gestaltung der Tage ist ohne Schule besonders viel Kreativität gefragt. Die hauseigenen Gärten werden neu gestaltet, Putz- und Kochdienste sind eingeteilt, es wird Bärlauch gesammelt und Pesto hergestellt, interne Sportangebote werden ausgiebig wahrgenommen und natürlich gibt es auch jede Menge Schulaufgaben, die gemacht werden. Höhepunkte für die Jugendlichen sind momentan auch sämtliche Nachrichtensendungen, die sich mit der Corona-Pandemie und ihren Folgen beschäftigen. Da sitzen dann alle wie gebannt vor dem Fernseher.

 „Wir müssen die Jugendlichen beschäftigen, sonst kommt schnell Frust auf. Wir motivieren, schaffen Verständnis für die Situation, das gelingt uns prima, denn die Stimmung ist überwiegend gut bei den Jugendlichen“, sagt die Burgenhof-Leiterin. Eine Gruppe von neun bzw. 14 Jugendlichen täglich trotz aller Einschränkungen bei Laune zu halten ist auch für erfahrene Sozialpädagogen und Erzieher keine leichte Herausforderung.

Besonders auch deshalb, da man sich nur schwierig in der Gruppe bewegen kann. „Bei einer Fackelwanderung wurden wir von der Polizei angehalten. Dank Unterstützung vom Jugendamt des Kreises haben wir aber dann die Genehmigung erhalten, uns als Gruppe draußen bewegen zu dürfen“, so Heine.

Einkaufen für die Gemeinschaft ist in Zeiten wie diesen ebenfalls ein Erlebnis. „In einem Supermarkt wurde uns gesagt, dass wir nur fünf Liter Milch kaufen dürfen. Wie lange die bei 14 Jugendlichen ausreichen, kann man sich denken“, zeigt sich Heine sehr erstaunt über eine solche Beschränkung. „Aber auch hier haben wir Unterstützung von lieben Menschen erhalten, die unser Problem mitbekommen haben und kurzerhand einfach Milch für uns mitgekauft haben“, lobt Heine die Solidarität mancher Menschen in diesen schwierigen Zeiten.

Solidarität, die auch im Jugendheim Burgenhof gelebt wird. „Es geht jetzt nur gemeinsam – und dann geht es auch“, sagt Heine.